„Erstmal Sprachfähigkeit schaffen…“

Pastoralrat nimmt seine Arbeit auf

Am 12./13 November wurde in St. Joseph eine neue Vertretung für die Pfarrei St. Joseph gewählt. Zum ersten Mal wurden die Gremien Kirchenvorstand (KV) und Pfarrgemeinderat (PGR) verschmolzen und Ehrenamtliche für einen Pastoralrat gesucht. Das neue Gremium vereint die bisherigen Aufgaben – finanzielle und organisatorische Fragen einerseits und pastorale Anliegen andererseits.

Auf der konstituierenden Sitzung am 9. Dezember wurde dann Thomas Düren zum Vorsitzenden gewählt - auch das etwas Neues. Bisher war Düren Mitglied im KV, im Öffentlichkeitsausschuss und ist vielen bekannt als Kommunionhelfer, Ordner oder auch beim Sonntagskaffee in St. Joseph. Düren übernimmt damit ein Amt, das laut Kirchenordnung dem Leiter der Gemeinde und somit dem Pfarrer zugeschrieben wird. Anlass genug, um mit ihm zu sprechen und nach seinen Plänen zu fragen.

Hallo Thomas, am 9. Dezember fand die konstituierende Sitzung des Pastoralrates statt. Was ist neu und anders?

Während wir bisher zwei Gremien hatten, die oft genug nicht zusammenkamen, werden im Pastoralrat die pastoralen und die organisatorischen Fragen zusammen verhandelt. Weil im neuen Gremium Personen aus beiden Kirchorten vertreten sind, hoffe ich auch, dass so die Trennung zwischen St. Joseph und St. Michael überwunden wird.

Zunächst zur Wahl: 8 Personen standen zur Wahl…war es schwer, Kandidaten zu finden?

Wir mussten schon etwas suchen. Es ist niemand direkt auf uns zugekommen, sondern die Personen mussten gezielt angesprochen werden. Rein rechtlich wären zwei weitere Personen möglich gewesen. Aber es war ja schon in den letzten Jahren schwer, ausreichend Menschen für die Arbeit zu gewinnen. Nun haben wir ein Gremium mit weniger Sitzungen. Ich hoffe, dass es uns dort gelingt die unterschiedlichen Anliegen der Kirchorte St. Joseph und St. Michael zu bearbeiten.

Historisch niedrig war die Wahlbeteiligung – 2,4 % - Sind die Leute kirchenmüde?

Nur 86 abgegebene Stimmen geben mir natürlich zu denken, ob das ein ausreichendes Mandat ist. Ich glaube nicht, dass es am Wahltermin lag. Es gab die Möglichkeit zur Briefwahl und man war nicht auf diesen einen Samstag/Sonntag angewiesen. Vielleicht gibt es wirklich eine Art Kirchenmüdigkeit oder die Scheinwahl – 8 Personen auf dem Wahlzettel, 8 zu Wählende - hat davon abgehalten.

Nun seid Ihr in die Arbeit gestartet. Was sind eure Überlegungen für die nächste Zeit?

Zunächst müssen wir Sprachfähigkeit schaffen. Bisher hatten wir Menschen aus dem KV – überwiegend aus St. Michael und mit organisatorischen, finanziellen Fragen betraut und Mitglieder des PGR – die meisten davon aus St. Joseph und überwiegend an pastoralen Fragen interessiert. Die treffen nun im Pastoralrat aufeinander, zusammen mit neuen Mitgliedern und müssen erstmal verstehen, wovon die anderen reden. In den nächsten 3 – 6 Monaten werden wir zunächst keine Ausschüsse bilden. Wir wollen klären, welche Aufgaben und Herausforderungen anstehen. Daraus können dann Beauftragungen entstehen für Arbeitsgruppen. Die können Beschlüsse vorberaten, diese dann im Pastoralrat vorstellen, wo sie entschieden werden. Im ersten Halbjahr 2023 werden wir uns zu einer Klausurtagung treffen, um einen Arbeitsplan zu entwickeln. Dazu haben wir bereits Unterstützung aus Hildesheim angefordert.

Welche Themen stehen an?

Da fallen mir zunächst die Feierlichkeiten in unserer Gemeinde ein, wie z. B. Pfarrfest oder Fronleichnam. Seit Corona ist da Einiges eingebrochen. Dadurch fehlen aber die Orte der Begegnung, des Miteinander-Feierns. Ein Weiteres ist die Gottesdienstordnung. Wir müssen darüber nachdenken, was angesichts des Priestermangels noch möglich ist und wo wir neue Entscheidungen treffen müssen. Und natürlich der Immobilienprozess: Welche Räume und Versammlungsorte werden zukünftig gebraucht? Wie entscheiden wir, wenn – wie jetzt in St. Joseph – die Heizung erneuert werden muss? Benötigen wir 2 Orgeln, 2 Pfarrheime, 2 Kirchen? Letztlich steht dahinter die Frage, welchen Weg wir als Gemeinde gehen wollen? Haben wir ein Angebot, das uns als Gemeinde auszeichnet? Eins, bei dem Menschen sich zu uns auf den Weg machen?

Wo, denkst du, stehen wir zurzeit als Kirche und insbesondere als Pfarrgemeinde? Was sind die Herausforderungen?

Wir haben in Salzgitter unterschiedliche Arten von Gemeinden, jede mit ihrer je eigenen Art, christlichen Lebens. Für uns als Christen in Lebenstedt finde ich es wichtig, sichtbar zu bleiben und - hier gerne mit den evangelischen Gemeinden – unsere gemeinsame Botschaft herauszustellen. Natürlich frage ich mich auch, was ist unser Angebot neben den Sonntagsgottesdiensten? Brauchen wir nicht andere liturgische Angebote? Welche Form sollten unsere Wortgottesdienste haben, damit sie angenommen werden? So wie sie jetzt angelegt sind, empfinde ich sie als Trostpflaster aus Hildesheim. Da wundert es nicht, dass es kaum Gottesdienstteilnehmer gibt. Die Besucher und Besucherinnen erwarten doch, dass sie die Hostie zu sich nehmen können. Warum kann man zwar eine Hostie zum Kranken mitnehmen – aber für den Wortgottesdienst finden wir keine angemessene Form? Mit solchen Fragen müsste sich ein Liturgieausschuss beschäftigen, um eine zündende Idee zu entwickeln.

Und was denkst du - seid ihr schon ausreichend gerüstet für diese Aufgaben? Habt ihr ausreichend men- and womenpower?

Zunächst hoffe ich mal, dass die Gewählten nicht abgeschreckt werden von den Aufgaben und dabei bleiben. Und ich wünsche mir natürlich neben dem Pfarrer weitere Unterstützung aus dem ÜPE-Team. Dann denke ich, dass wir weitere Personen in Ausschüssen bräuchten. Die hätten einen begrenzten Auftrag, würden vor allem diese Aufgabe bearbeiten und für eine Entscheidung im Pastoralrat vorbereiten. Wichtig wäre mir die Transparenz im Gremium und in die Pfarrei hinein. Auf jeden Fall will ich die Tagesordnung veröffentlichen, um einzuladen und zu zeigen, was in den Gremien passiert. Die Sitzungen sollten so oft wie möglich öffentlich sein und von mir aus auch die Protokolle. Das ist aber noch nicht entschieden.

Thomas, wo siehst du die Kirche Salzgitters in acht Jahren?

Zwei Punkte fallen mir ein: a) Es ist uns gelungen, die zwei Gemeindeteile gut zusammenzuführen und dabei die Herausforderungen rund um die Immobilien zu lösen. b) Wir haben eine gute Weise der Zusammenarbeit unter allen Gemeinden Salzgitters gefunden. Dabei ist mir nicht wichtig, ob wir eine Pfarrei mit vier Kirchorten sind oder weiterhin vier Pfarreien. Bisher haben wir allerdings noch wenige Bereiche, in denen wir wirklich zusammenarbeiten.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Gregor Piaskowy.